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Home > Sehensürdigkeiten > Bericht aus Tokio(auf Deutsch) > Faszination Shinjuku
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Shinjuku ist ein Magnet. Egal ob auslandische Besucher oder aus der Provinz stammende Japaner, kaum ein Ort ubt eine solche Faszination auf Fremde aus wie Shinjuku. Dabei ist Shinjuku zunachst nichts anderes als ein Bahnhof. Allerdings ein Bahnhof der Superlative. Ein Dutzend U- und S-Bahnlinien kreuzt sich hier. Wer die Menschenmassen beobachtet, die morgens zur Stoszeit aus den Vorortzugen drangen, versteht bald, was im Reisefuhrer gemeint war: Dies ist der verkehrsreichste Bahnhof der Welt. Zwei Millionen Menschen schieben sich taglich uber die schmalen Bahnsteige.
Fur viele ist Shinjuku Durchgangsstation auf der Fahrt in andere Teile der Stadt. Fur die anderen ist es Arbeitsplatz, Einkaufsparadies, Vergnugungsviertel. Shinjuku hat viele Gesichter. Je nachdem, durch welchen Ausgang man ans Tageslicht findet. Heerscharen von Angestellten, korrekt gekleidet in Anzug und Krawatte, verlassen den Bahnhof Richtung Westen und eilen in einen der Buroturme, die vor ihnen in den Himmel ragen. Banken, Versicherungen, Industriekonzerne haben hier ihre Zentralen. Japans Wirtschaftskraft, geballt auf einem Quadratkilometer. Dominiert wird das Viertel von den Zwillingsturmen des Tokyoter Rathauses, ein architektonisches Meisterwerk, das weniger an ein Verwaltungsgebaude als vielmehr an eine moderne Kathedrale erinnert.
Am Sudausgang herrscht ein fast kosmopolitisches Flair. Die chicke Holzpromenade entlang der Yamanote-Linie ladt zum Flanieren ein. Hier verabreden sich junge Frauen und Parchen, um in einem der eleganten Restaurants der umliegenden Kaufhauser essen zu gehen. Auslandische Bewohner zieht es in den groβten Buchladen der Stadt.
Das eigentliche Leben von Shinjuku aber beginnt, wenn abends die Lichter angehen. Nach Sonnenuntergang warten im Osten des Bahnhofs Hunderte von winzigen Bars, dampfende Nudelkuchen, Pachinkoladen und Karaokeboxen auf Kundschaft. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Abend in der Stadt erinnern, als ich mich durch das Gedrange der engen Gassen zum Treffpunkt vor dem groβen Bildschirm durchschlug. Geblendet vom gleiβenden Neon der Leuchtreklamen, ganz benommen vom Stimmengewirr und den fremden Gerauschen, die mich umgaben, war ich uberglucklich, in der Menge das vertraute Gesicht eines Freundes zu entdecken. Seitdem bin ich unzahlige Male nach Shinjuku zuruckgekehrt, von seiner Faszination aber hat es nichts eingebuβt. Immer wieder zieht mich die standige Reizuberflutung in ihren Bann - wie damals am ersten Tag.